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Als
Arzt in der Dritten Welt
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ein kostenloser werbender Service für Ärzte
von
sanofi-aventis
Als
Arzt in der Dritten Welt
Arbeiten im Schatten von Armut, Elend
und Katastrophen
Wer den Beruf des Arztes ergreift,
tut dies neben der Faszination für
das Fachliche wohl hauptsächlich
aus der Motivation heraus,anderen
Menschen zu helfen. Und wo kann man
das besser als in medizinisch unterversorgten
Regionen der Dritten Welt?
In
den Slums der Dritten Welt leben Millionen
Menschen ohne jegliche Chance auf
medizinische Versorgung. Die Kinder,
die im Dreck und Müll groß
werden, leiden unter Würmern,
Infekten und superinfizierten Hautläsionen.
Tuberkulose, AIDS und Malaria grassieren,
fatal kariöse Gebisse sind schon
in jungen Jahren verbreitet, und Mangelernährung
ist an der Tagesordnung. Wo Bürgerkrieg
herrscht, kommen Wunden und die Vertriebenenproblematik
hinzu. Mangelnde Hygienemöglichkeiten
gibt es fast überall.
Was
die Menschen hier brauchen, ist vor
allem eine Grundversorgung: handfeste
Medizin, jenseits lästiger Bürokratie
und ohne blockierende hierarchische
Strukturen. Kaum irgendwo war
ich so nahe an dem Traum, den ich
während des Studiums von meinem
Beruf hatte, resümiert
Dr. med. Nicole Zeller, die sechs
Wochen in den Slums von Nairobi tätig
war. Hier konnte ich helfen,
helfen, helfen - und bekam dafür
unendlich viel Dankbarkeit zurück.
(Siehe Reportage Nairobi: Eintauchen
in eine andere Welt)
Dem
Traum vom Arztberuf ganz
nahe
Es sind hauptsächlich humanitäre
Beweggründe, die Ärzte in
die Armenviertel der Welt treiben.
Neben einer Portion Reiselust klingen
in den Interviews immer auch die Worte
Dankbarkeit und persönliche
Bereicherung mit.
Wir
wollen helfen und das können
wir kaum irgendwo so komprimiert wie
in Elendsgebieten, berichtet
Dr. med. Maximilian Gertler, und
gerade deshalb schlägt uns kaum
irgendwo so viel direkte Dankbarkeit
entgegen. Ein Gut, das in Zeiten der
interdisziplinären Zusammenarbeit
zwischen riesigen Kliniken oder verstreuten
Fachärzten hierzulande rar wird.
Direktes Feedback wird selten, weil
der Patient längst durch Kollegen
übernommen wurde. Die unbürokratische,
handfeste Medizin im Auslandseinsatz,
die mit ihrer Patientennähe an
vergangene Zeiten erinnern mag, stellt
uns auf eine Probe, aber sie vermag
uns auch privat, wie in unserer ärztlichen
Persönlichkeit festigen und kann
uns im deutschen Arbeitsalltag anschließend
helfen.
Der
Berliner Arzt Dr. med. Maximilian
Gertler erinnert sich an Tschad trotz
der aufzehrenden Situation zwischen
Krieg, Elend, Hitze und Staub an viel
Spaß, gute Teamerlebnisse, grandiose
Natur und ein unheimlich gutes Gefühl
als Arzt (siehe Reportage Tschad:
Es kommt immer anders, als man denkt).
Letztendlich
geben einem die Einsätze mehr
als man den Menschen dort geben kann,
bestätigt auch Dr. med. Dorothea
Woiczechowski aus Tirschenreuth nach
ihrem Philippineneinsatz (siehe Reportage
Philippinen: Diese Nacht werde ich
nie vergessen).
Und
Dr. med. Tina Klusmeier aus Kaufingen
bei Kassel berichtet noch heute, acht
Jahre nach ihrem Sudanaufenthalt mit
Cap Anamur im Sudan: Ich habe
meine Wertschätzung verändert
und lebe heute, trotz aller Höhen
und Tiefen beim Einsatz, privat und
beruflich glücklicher und zufriedener.
Ich habe einen Eindruck bekommen,
was wirklich wichtig ist im Leben.
(Siehe Reportage Sudan: Es gab viele
Glücksmomente)
Feste
Struktur vor Ort
Die German Doctors, die
in der Dritten Welt in den humanitären
Projekten von Hilfsorganisationen
arbeiten, finden vor Ort meistens
ein festes Team aus deutschen und/oder
einheimischen Mitarbeitern, von der
Schwester, über die Hebamme bis
zum Übersetzer. Das Team arbeitet
die wechselnden Ärzte ein, hilft
bei der Überwindung sprachlicher
und kultureller Hürden, wirkt
als Bindeglied zu den
Menschen und unterstützt den
Arbeitsalltag vor Ort bei Organisatorischem,
wie der Medikamentenbeschaffung, oder
bei der Anamneseerhebung. Dieses System
ermöglicht eine kontinuierliche
Betreuung trotz wechselnder Ärzte.
Viele
Hilfsorganisationen etablieren vor
Ort neben der medizinischen Grundversorgung
auch Schulen, Feeding Programme,
Aufklärungs- und Impfkampagnen,
Brunnenbauprojekte oder feste Kliniken.
Für entlegende Gebiete rollen
mobile Kliniken in Form von Jeeps
mit Medikamenten und medizinischer
Besatzung zum Einsatz und auch Zahnärzte
oder Kieferorthopäden sind regelmäßig
gefragt und sorgen begleitend durch
Beratung zur Ernährung und Zahnhygiene
längerfristig für Hilfe.
Die Einsatzgebiete für Ärzte
sind fachlich sehr breit in
der Praxis oft deutlich breiter als
gewohnt.
Zu
den Tätigkeitsfeldern gehören
neben der Basisgesundheitsbetreuung
je nach Projekt auch die Betreuung
von Ernährungsprogrammen, Impfkampagnen
oder spezifischen Behandlungsprogrammen
für AIDS, Tuberkulose oder die
Schlafkrankheit, Malaria-Prävention
(u.a. Mosquitonetze), Mutter-Kind-Versorgungen,
psychosoziale Betreuungen oder die
Notfallchirurgie. Die Aufgaben der
Ärzte werden von den Organisationen
je nach Können und Erfahrung
so gut es geht verteilt. Letztendlich
sind viele Tätigkeiten aber übergreifend
- oder sie werden es notgedrungen,
weil die Umstände es vor Ort
so verlangen. Jeder muss anfassen,
wo es notwendig ist.
Kurzzeiteinsätze
erleichtern niedergelassenen Kollegen
die Mitarbeit
Beim Komitee Ärzte für
die Dritte Welt lieg die Altersstruktur
der mitarbeitenden Ärzte zwischen
28 und 35 Jahren bzw. über 60
Jahre. Viele junge Ärzte gehen
vor Antritt einer festen Stelle oder
vor der Niederlassung. Ältere
Kollegen engagieren sich im Ruhestand.
Warum die Kollegen mittleren Alters
fehlen, liegt nahe: Wer mitten im
Berufsleben steht, kann sich einen
solchen Einsatz finanziell schwer
leisten. Das Komitee Ärzte
für die Dritte Welt bietet
daher gezielt auch Kurzzeiteinsätze
von sechs Wochen an, so dass die Mitarbeit
bei den Hilfsprojekten unter Opferung
des Jahresurlaubs möglich wird.
Mehr ist im Praxisalltag kaum
möglich", bestätigt
Dr. med. dent. Jochen Wegener aus
Bonn, der als niedergelassener Zahnarzt
für das Komitee auf den Philippinen
war. Die Kosten der Praxis laufen
weiter und man muss Rücksicht
auf Kollegen und Patienten nehmen.
Ohne Partner, etwa in einer Gemeinschaftspraxis,
ist der Hilfseinsatz betriebswirtschaftlich
kaum möglich.
Der
zweite Grund für die Altersstruktur
ist sicher die Familiensituation.
Wer kleine Kinder hat, kann rein familienlogistisch
selten länger verreisen
und wird auch bezüglich der Lokalität
sehr kritisch sein. Tina Klusmeier
(s.o.) war nach ihrer Ausbildung mit
Cap Anamuran der Bürgerkriegsfront
im Sudan, was sie heute, mit drei
Kindern, nicht machen würde.
Auch sie will aber im Ruhestand wieder
dabei sein.
Unterschiedliche
Anforderungen
Bei den Hilfsprojekten gibt es bezüglich
der fachlichen, psychischen und logistischen
Anforderungen an den Arzt große
Unterschiede. Es gibt außergewöhnliche
Projekte in Risikogebieten; aber auch
Projekte weitab von jeder Dramatik,
wo es schlicht um fachkundiges und
geduldiges Arbeiten geht.
Wer
eine normale Anstellung oder nur den
Wechsel des Arbeitsplatzes sucht (weil
er in Deutschland alles langweilig
findet),liegt aber wohl generell falsch.
Wer hier in der Heimat keine
Wurzeln hat, konkret, wer niemanden
hat, der sich freut, wenn er heimkehrt,
sollte nicht für uns arbeiten,
so die Organisation Cap Anamur auf
ihrer Homepage.
Viele
Kollegen, die schon mehrere Auslandseinsätze
geleistet haben und dabei auch mit
Ärzte für die Dritte
Welt auf den Philippinen waren,
sehen dieses tropische Land mit seinem
üppigen Grün rückblickend
als emotional guten Einstieg.
Auch hier gibt es Armut und Elend,
sonst wären die Hilfsorganisationen
nicht dort. Aber es gibt während
der Arbeit keine Bombenangriffe, wie
etwa im Sudan, man muss sich als Weißer
in der Dunkelheit draußen nicht
fürchten, wie in vielen Großstadtrandgebieten
anderer Länder der Dritten Welt.
Man wird nicht von der AIDS-Problematik
erschlagen, wie in den Slums von Nairobi
und man ist nicht in dem Maße
unter Zeit-Leistungs-Druck, wie im
Akuteinsatz in Erdbebengebieten oder
im Bürgerkrieg. Auch hier wird
Hilfe dringend benötigt und man
wird als Arzt vielleicht Menschen
sterben sehen, die bei uns nicht sterben
müssten. Aber die Arbeit erfolgt
unter verhältnismäßig
routinierten Bedingungen, ohne größere
Gefahren.
Wer
sich für den Einsatz in Hilfsprojekten
interessiert, sollte also nicht nur
auf die zeitlichen Anforderungen der
einzelnen Organisationen achten, sondern
auch das Ziel darauf abstimmen, was
er bzw. sie sich als Mensch und Arzt/Ärztin
zutraut. Es ist für den Anfang
sicher einfacher, sich gut durchorganisierte
Projekte zu suchen, als gleich als
einziger Arzt weit und breit in Krisengebieten
zu agieren.
Vorbereitung
und Wiederkehr
Vor seiner Abreise wird der Arzt in
der Regel nach persönlichen Gesprächen
mit der Organisation in einer etwa
einwöchigen Schulung allgemein,
medizinisch und ortsspezifisch vorbereitet.
Weniger
vorbereitet sind dagegen die Zurückkehrer:
Durch die eindringlichen Erlebnisse
ist der Wiedereinstieg in den deutschen
Arbeitsalltag nach mehreren Monaten
Projekteinsatz oft nicht leicht. Hier
hilft nur der Kontakt und Austausch
mit Kollegen, die ähnliche Erlebnisse
teilen. Ärzte ohne Grenzen
bietet dazu ein Netzwerk mit Kontakten
zu anderen Rückkehrern.
Nur
ein Tropfen auf den heißen Stein?
So manchem mag die kurzfristige Hilfe
wie der berühmte Tropfen
auf den heißen Stein erscheinen,
in der Summe aber besteht für
die Ärmsten der Armen dadurch
ein wenig Hoffnung auf Menschenwürde
und Zukunft. Durch die medizinischen
Projekte wird zum Beispiel die Kindersterblichkeit
in den Gebieten gesenkt, werden Familien
erhalten, Trinkwasserversorgungen
gesichert oder sogar Berufsausbildungen
ermöglicht, wie die von Dr. Arturo
Eligan, Philippinen, der durch ein
Stipendium von Ärzte für
die Dritte Welt Medizin studieren
konnte und danach lange Jahre auf
der Station der Organisation als Einheimischer
tätig war.
Organisationen
Ärzte für die Dritte
Welt, Ärzte ohne
Grenzen und Cap Anamur
zählen zu den bekanntesten Hilfsorganisationen,
die Ärzten die Mitarbeit in humanitären
Projekten bieten. Die Bewerbung verläuft
in der Regel schriftlich (Vorgaben
und Unterlagen gibt es online bei
der jeweiligen Organisation). Danach
folgen ein persönliches Auswahlgespräch,
eine kurze Schulung und eine oft überraschend
schnelle Vermittlung. Die Mitarbeit
ist ehrenamtlich, das heißt
unentgeltlich im weitesten Sinne.
Einige Organisationen zahlen für
die Dauer des Auslandsaufenthaltes
so genannte Aufwandsentschädigungen
in Form von Fixhonoraren, um die in
Deutschland laufenden Kosten für
Praxis, Wohnung etc. abzufangen. Ob
eine solche Pauschale besteht oder
wie hoch sie ist, muss bei jeder Organisation
individuell erfragt werden.
Ärzte
für die Dritte Welt
Seit seiner Gründung durch den
Jesuitenpater Bernhard Ehlen vor 24
Jahren hat Ärzte für
die Dritte Welt rund 1900 German
Doctors zu 3500 Einsätzen
gebracht: auf die Philippinen, nach
Indien, Bangladesch, Nicaragua und
nach Kenia. Daneben unterstützt
die Organisation 131 einheimische
Gesundheits- und Sozialprojekte in
21 Ländern. Die Spendengelder
fließen fast uneingeschränkt
in die Projekte; in Ambulanzen, Impfkampagnen,
mobile Krankenstationen, Health Care
Center oder in die zahnärztliche
Versorgung. 16000 Dollar kosten allein
die Medikamente für Mathare-Valley
(Nairobi) monatlich.
Ärzte
für die Dritte Welt fängt
den auslandsunerfahrenen Arzt für
den Einstieg mit hervorragender Planung,
Organisation und Durchführung
vor Ort auf. Die Einsätze sind
relativ sicher und die Unterkünfte
gut. Das Komitee bietet die Möglichkeit,
für sechs Wochen und länger
an Brennpunkten des Elends zu helfen,
unentgeltlich und mit einem Eigenanteil
von etwa den halben Flugkosten. Voraussetzung
ist eine Berufserfahrung von mindestens
eineinhalb Jahren und das richtige
Persönlichkeitsprofil. (Siehe
Adressen)
Ärzte
ohne Grenzen
Ärzte ohne Grenzen,
französisch Médecins
Sans Frontières" (MSF),
leistet medizinische Nothilfe in Krisengebieten,
in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen,
wo das Leben vieler Menschen bedroht
ist. Zu den Hilfsangeboten gehören
aber auch Langzeitprojekte, wie HIV-Langzeitbetreuungen
und Impfkampagnen. Das internationale
Netzwerk von MSF setzt sich aus Sektionen
in 19 Ländern zusammen. Hilfsprojekte
laufen u.a. in Armenien, an der Elfenbeinküste,
in Griechenland oder Guatemala, auf
Haiti, in Indonesien, Jordanien, Kambodscha,
Kolumbien, Liberia oder Malaysia sowie
im Kongo, in Niger, Pakistan, Peru,
Somalia, Sri Lanka, Tschad, Sudan
oder Uganda. Weltweit wurden 2005
mehr als 2.200 internationale Mitarbeiter
entsendet, die in den Projekten mit
knapp 26.000 nationalen Kollegen zusammengearbeitet
haben. 2006 gingen 262 deutsche Ärzte
für MSF ins Ausland. Die Mindestaufenthaltsdauer
liegt bei sechs bis 12 Monaten, die
meisten Einsätze umfassen neun
Monate. Der Arzt erhält dabei
eine Aufwandsentschädigung von
etwa 800 Euro pro Monat, wobei sich
dieser Betrag bei wiederholten Einsätzen
durch die erweiterte Erfahrung leicht
erhöhen kann. (Siehe Adressen)
Cap
Anamur
1979 initiierten Christel und Rupert
Neudeck die Rettung vietnamesischer
Bootsflüchtlinge ("boat
people"), die bei ihrem Versuch,
über das südchinesische
Meer in die Freiheit zu entkommen,
Opfer von Stürmen und Überfällen
wurden. Sie charterten für die
Mission einen Frachter und retteten
10.375 Menschen. So entstand das Komitee
Deutsche Not-Ärzte e.V.,
heute bekannt unter dem Namen des
gecharterten Frachters: Cap
Anamur. Es folgten Einsätze
rund um den Globus. Cap Anamur kümmert
sich seither um Vertriebene und Geschundene,
baut Ambulanzen und Schulen, organisiert
Hilfsgüter und Baumaterial. In
den Projekten arbeiten Ärzte
und Pfleger, Baufachleute und Logistiker
zum Einheitslohn von 1.100,- Euro
brutto.
Voraussetzungen
sind mindestens drei Jahre Berufserfahrung
sowie gute Englischkenntnisse. Da
mindestens die Hälfte der Patienten
Kinder sind und die Einsatzgebiete
oft in tropischen Regionen liegen,
sind auch ein Tropenkurs sowie Pädiatriekenntnisse
erwünscht. Die Mindestaufenthaltsdauer
liegt bei sechs Monaten viele
verlängern. (Siehe Adressen)
Neben
diesen drei Organisationen gibt es
eine lange Liste anderer Einrichtungen,
auch viele kleine oder private Hilfsorganisationen,
die Ärzten oder Zahnärzten
eine kurz- oder langfristige Mitarbeit
bieten.
Autorin:
Dr. Susanne Schwarzer

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